07/06 2014

Vorsicht vor freundlichen Versicherern

Vorsicht vor freundlichen Versicherern

Wie Sie als Geschädigter Geld verdienen

Peter J. Korthaus

Peter J. Korthaus

Nehmen wir einmal an, Sie haben einen Verkehrsunfall erlitten. Sie haben diesen Verkehrsunfall natürlich nicht verschuldet (schließlich sind Sie ein deutscher Autofahrer und deutsche Autofahrer machen keine Fehler). Die herbeigerufene Polizei bestätigt Ihnen gegebenenfalls sogar, dass der Unfall vom Unfallgegner verursacht wurde. Die Versicherung Ihres Unfallgegners setzt sich nunmehr noch am Tag des Unfallgeschehens telefonisch, jedenfalls am Tag danach, auch schriftlich mit Ihnen in Verbindung. Sie erklärt Ihnen: „Wir werden den Unfallschaden im Rahmen unserer Eintrittspflicht regulieren.“

Sie werden dann telefonisch gebeten, Ihr Fahrzeug doch bei der Karosseriewerkstatt XY reparieren zu lassen. Für diesen Fall, verspricht man Ihnen einen Mietwagen, für den Sie nichts zu zahlen haben, die kostenlose Lieferung und Abholung Ihres Fahrzeuges und des Mietwagens und darüber hinaus, dass man Ihr Fahrzeug Ihnen dann von außen und innen gereinigt wieder zur Verfügung stellt.

Angesichts dieses hervorragenden Services des gegnerischen Haftpflichtversicherers schalten Sie Ihr Gehirn aus und erklären sich mit allem einverstanden. In der Tat erhalten Sie Ihr Auto einige Tage später repariert zurück. Den Mietwagen haben Sie benutzt.

Nun hat Ihr Unfallgegner inzwischen seiner Versicherung aber auch seine Version des Unfallgeschehens dargelegt. Da auch er ein deutscher Autofahrer ist (s.o. ahnen Sie schon, dass der Versicherung eine völlig andere Version des Unfallgeschehens aufgetischt wird. Nun hat das deutsche Kraftfahrzeugrecht es an sich, dass Sie, wenn Sie Schadensersatz in vollem Umfange erhalten wollen, auch beweisen müssen, dass der Unfall für Sie tatsächlich nicht zu vermeiden gewesen ist. Dies ist, ohne Zeugen unmöglich und mit Zeugen schwer. Es wird deshalb vom gegnerischen Haftpflichtversicherer der Versuch unternommen, Geld zu sparen, was bedeutet, dass die Versicherung, nachdem sie durch ihre Vermittlung an den Reparateur, mit dem sie Sonderkonditionen ausgehandelt hat, schon reichlich Geld gespart hat, Sie insbesondere einen Sachverständigen nicht eingeschaltet haben und bisher ja auch nicht auf die Idee gekommen sind, zum Anwalt zu gehen, ihre Zurückhaltung aufgibt und Ihnen nunmehr erklärt, dass Sie das Unfallgeschehen zumindest auch verschuldet haben, weshalb die Rechnung der Reparaturwerkstatt und die Mietwagenrechnung nur zu einem Teil gezahlt werden.

Nunmehr fragen Sie sich, ob es richtig war, den Versprechungen zu glauben und stellen fest, dass man Ihnen nichts versprochen hat. Im Rahmen ihrer Eintrittspflicht glaubt die Versicherung alles für Sie Notwendige getan zu haben. Für das Weitere ist sie eben nicht eintrittspflichtig. Der Reparateur kommt nun mit seiner Rechnung auf Sie zu und Sie müssen sie selbst bezahlen. Sie haben sich vorher keine Gedanken darüber gemacht, ob das Geld überhaupt vorhanden ist, weil Sie davon ausgegangen sind, die Versicherung werde zahlen. Hätten Sie die Reparatur selbst in Auftrag gegeben, so hätten Sie zumindest Ihre eigene Fachwerkstatt eingeschaltet, deren Chef Sie gegebenenfalls kennen und mit dem Sie über das Zahlungsziel hätten verhandeln können. Auf einen Mietwagen hätten Sie vermutlich verzichtet. Sie müssen also schließlich doch zum Anwalt und sich mit der gegnerischen Versicherung streiten. Hierbei wissen Sie nicht einmal, ob denn der Schaden an Ihrem Fahrzeug auch korrekt behoben worden ist, weil ein Sachverständigengutachten über diese Schäden ja nicht eingeholt wurde. Dies gerade will die Versicherung ja durch die schnelle Zuleitung Ihres Fahrzeugs an eine Reparaturwerkstatt verhindern. Eine Wertminderung erhalten Sie schon gar nicht, weil ein Sachverständiger sie nicht festgestellt hat.

Dies gilt leider Gottes auch dann, wenn in den zugegebenermaßen auch nicht seltenen Fällen, die Versicherung den kompletten Schaden übernimmt und Sie sich freuen, mit nichts etwas zu tun gehabt zu haben und ein repariertes Auto vor der Türe stehen zu haben. Sie wissen nicht, ob das Fahrzeug ordnungsgemäß, entsprechend den Vorgaben eines Sachverständigen, repariert worden ist oder aber die Reparaturwerkstatt, die schließlich von den Aufträgen der Versicherung abhängig ist, hier die Dinge nicht bestmöglich für Sie repariert hat. Eine Wertminderung erhalten Sie jedenfalls freiwillig von der Versicherung nie. Haben Sie sich einmal gefragt, wie oft man sein Fahrzeug für 600,00 € waschen und staubsaugen kann?

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